Weichenstellung für die zukünftige Ausgestaltung des laufenden IPBES-Arbeitsprogramms bis 2030
Ein Rückblick auf die Ergebnisse der 12. Sitzung der IPBES-Vollversammlung vom 3. bis 8. Februar 2026 in Manchester, Vereinigtes Königreich.

Andrew Stott, Co-Vorsitzender des Gutachter-Panels für die Zwischenbewertung bei der Vorstellung der Ergebnisse der externen Zwischenbewertung.
IISD/ENB | Anastasia Rodopoulou
Vom 3. bis 8. Februar 2026 fand die 12. Sitzung der IPBES-Vollversammlung mit etwa 1500 Teilnehmenden in Manchester, Vereinigtes Königreich statt. Zwei zentrale wissenschaftliche Themen prägten die diesjährige sechstägige Vollversammlung: Zum einen befassten sich die Mitgliedstaaten mit dem methodologischen Assessment zu Auswirkungen und Abhängigkeiten der Wirtschaft bezüglich der Biodiversität und den Beiträgen der Natur für die Menschen (Business & Biodiversity Assessment); zum anderen fanden parallel dazu Beratungen über die künftige Arbeit von IPBES unter seinem fortlaufenden Arbeitsprogramm bis 2030 statt. In die Beratungen über die künftige Arbeit flossen auch die 35 Empfehlungen aus der externen Zwischenbewertung („external midterm review“) des fortlaufenden IPBES-Arbeitsprogramms bis 2030 ein, die auf der Sitzung von den Ko-Vorsitzenden des Gutachter-Panels vorgestellt wurden.
Weitere Elemente des fortlaufenden Arbeitsprogramms bis 2030
Im fortlaufenden Arbeitsprogramm bis 2030 besteht weiterhin die Möglichkeit, neue Arbeitselemente aufzunehmen. Im Rahmen eines Aufrufs des IPBES-Sekretariats von März 2025 wurden verschiedene thematische Vorschläge eingereicht. Das Multidisziplinäre Expertengremium (MEP) und das Bureau stuften die folgenden vier Themen als prioritär ein: Biodiversität und Verschmutzung, Biodiversität und Klima, Biodiversität und Städte sowie Biodiversität und Armut (auch vom Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) vorgeschlagen). Daneben wurden weitere Themen, die von einzelnen Ländern oder Organisationen vorgeschlagen wurden, aufgenommen. Im Rahmen der zwischenstaatlichen Beratungen während IPBES-12 wurde zudem deutlich, dass IPBES neben den überwiegend genutzten Assessmentformaten auch weitere Berichtsformate zur Verfügung stehen, die bislang noch nicht zum Einsatz gekommen sind. Hierzu zählen insbesondere Syntheseberichte und technische Papiere zu thematischen Fragestellungen, die auf Ergebnissen bereits vorliegender Assessments aufbauen.

Eindrücke aus der Arbeitsgruppe II auf IPBES-12.
IISD/ENB | Anastasia Rodopoulou
Darüber hinaus betonten zahlreiche Mitgliedstaaten die Notwendigkeit, die Nutzung bereits abgeschlossener Assessments auf nationaler und regionaler Ebene zu verstärken und die Elemente des Arbeitsprogramms, wie Kapazitätsaufbau, die Stärkung der Wissensgrundlagen, Politikunterstützung sowie Kommunikation verstärkt zu berücksichtigen. Es herrschte Einigkeit darüber, dass eine strategische und ganzheitliche Weiterentwicklung des Arbeitsprogramms vorangetrieben werden müsse, ohne die Verfahren des fortlaufenden Arbeitsprogramms bis 2030 jedoch grundlegend zu ändern. Dabei sollen auch potentielle Synergien mit anderen multilateralen Umweltabkommen sowie wissenschafts-politischen Schnittstellen, wie beispielsweise dem Weltklimarat IPCC, berücksichtigt werden, um die Wirkkraft von IPBES zu erhöhen.
Die IPBES-Vollversammlung beschloss daher, dass das MEP und das Bureau mögliche Formate, Themenvorschläge und Zeitrahmen für die künftige Arbeit berücksichtigen, im Rahmen eines Workshops mit Unterstützung externer Expertinnen und Experten einen Vorschlag für künftige Elemente des Arbeitsprogramms erarbeiten und zur 13. Sitzung der IPBES-Vollversammlung vorlegen. Auch die Empfehlungen der externen Zwischenbewertung sollen hierbei einbezogen werden.
Ferner wurde vereinbart, dass das IPBES-Sekretariat einen Aufruf zur Einreichung von konkreten Vorschlägen an IPBES-Mitglieder, Beobachter sowie weitere Stakeholder bezüglich der Umsetzung der 35 Empfehlungen des externen Gutachtergremiums richten soll.
Der Umgang mit neuen Daten- und Wissenstechnologien
Auf der 12. IPBES-Vollversammlung wurde auch ein formeller Verhaltenskodex für den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) (Code of Practice on the Use of Artificial Intelligence (AI)) für die Arbeiten von IPBES angenommen. Dieser Kodex, der darauf ausgerichtet ist, einen ethischen und verantwortungsvollen Umgang mit KI bei der Erstellung von IPBES-Assessments zu gewährleisten, war Teil der aktualisierten Richtlinie zum Daten- und Wissensmanagement, der ebenfalls während der 12. Sitzung der IPBES-Vollversammlung verabschiedet wurde. Näheres hierzu kann auch dem Bericht des 12. Nationalen IPBES-Forums entnommen werden.

Die Delegierten bei den Beratungen in Arbeitsgruppe II auf IPBES-12.
IISD/ENB | Anastasia Rodopoulou
Wahl der Mitglieder des Multidisziplinären Expertengremiums (MEP) auf IPBES-12
Das MEP fungiert als wichtigstes wissenschaftliches und technisches Beratungsgremium von IPBES. Die Wahl von 25 Expertinnen und Experten (jeweils fünf aus jeder der fünf Regionen der Vereinten Nationen) führte zur Wiederwahl von Prof. Josef Settele (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, Halle) als Wissenschaftler aus der WEOG-Region (Westeuropäische und andere Staaten) für eine Amtszeit von weiteren drei Jahren.
Die Zusammensetzung der neuen MEP-Mitglieder gewährleistet die notwendige Kontinuität in den laufenden IPBES-Arbeitsprozessen und fördert gleichzeitig die Einbringung neuer Kompetenzen.
Ausblick auf die 13. Sitzung der IPBES-Vollversammlung
Die nächste Sitzung der IPBES-Vollversammlung (IPBES-13) findet in der zweiten Jahreshälfte 2027 statt. Ein Veranstaltungsort wurde noch nicht bekannt gegeben. Neben den Beratungen über die bereits erwähnten Vorschläge für künftige Elemente des Arbeitsprogramm sollen auf IPBES-13 zwei Berichte verabschiedet werden:
- Methodologisches IPBES-Assessment zur biodiversitätsintegrierten räumlichen Planung und zur ökologischen Konnektivität (Spatial Planning and Connectivity Assessment)
- Methodologisches IPBES-Assessment über Monitoring von Biodiversität und der Beiträge der Natur für die Menschen (Monitoring Assessment)