Session 1: Grußworte und Einführung
Dr. Mariam Akhtar-Schuster, Deutsche IPBES-Koordinierungsstelle, Verena Klinger-Dering, Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Ralf Mytzek-Zühlke, Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und Dr. Simone Schiele, IPBES-Sekretariat sprachen die Grußworte zu Veranstaltungsbeginn.
Inhalte:
Begrüßung durch Ralf Mytzek-Zühlke, Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt
Begrüßung durch Dr. Simone Schiele, IPBES-Sekretariat
Begrüßung und Einführung in die Tagesordnungspunkte durch Dr. Mariam Akhtar-Schuster, Deutsche IPBES-Koordinierungsstelle
Die Deutsche IPBES-Koordinierungsstelle am DLR-Projektträger war Gastgeberin des 12. Nationalen IPBES-Forums in Berlin. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten wurden die Ergebnisse der 12. Sitzung der Vollversammlung von IPBES (IPBES-12), die vom 3. bis 8. Februar 2026 in Manchester, Großbritannien, stattfand, diskutiert.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von der Leiterin der Deutschen IPBES-Koordinierungsstelle, Dr. Mariam Akhtar-Schuster, die die Ziele und den Ablauf der Veranstaltung darlegte.
DLR | Leon Jakobs
Die Deutsche IPBES-Koordinierungsstelle bringt im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) und des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) regelmäßig Expertinnen und Experten aus Politik, Wissenschaft und Praxis zusammen, um IPBES-Prozesse und IPBES-Ergebnisse unter Berücksichtigung verschiedener Disziplinen und gesellschaftlicher Perspektiven zu analysieren.
Das diesjährige Nationale IPBES-Forum fand am 26. Februar erstmals unmittelbar nach einer IPBES-Vollversammlung statt. Damit wurde das nationale IPBES-Forum zu einem neuen Zeitpunkt und in einem neuen, erweiterten Format durchgeführt: Anstatt wie bisher zur Vorbereitung einer Sitzung der IPBES-Vollversammlung anstehende Beschlüsse und Berichte zu diskutieren, legte das Forum erstmalig als „Dialogforum“ den Fokus auf die Verbreitung und Nutzung („Outreach and Uptake“) der verabschiedeten IPBES-Ergebnisse. Ein wesentlicher Schwerpunkt lag dabei auf der Analyse der Kernaussagen des neuen IPBES-Assessments zu Wirtschaft und Biodiversität. Außerdem wurde die Rolle der Sozial- und Geisteswissenschaften für die Verbreitung und Nutzung von IPBES-Ergebnissen untersucht.
Im Rahmen einer Poster-Ausstellung stand der Erfahrungsaustausch zu bisherigen nationalen Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie auf europäischer Ebene zur Verbreitung und Nutzung von Ergebnissen der 2024 erfolgreich verabschiedeten IPBES-Assessments zu Nexus sowie Transformativem Wandel, deren Zusammenfassungen für die politische Entscheidungsfindungen auch bereits in deutscher Sprache vorliegen, im Fokus. Weitere Aspekte betrafen die Neuerungen in den Arbeitsplänen der IPBES-Arbeitselemente Kapazitätsaufbau, Stärkung der Wissensgrundlagen, Politikunterstützung.

Abbildung 1: Anteil der Teilnehmenden des 12. Nationalen IPBES-Forums nach Akteursgruppen
Pia Pätz, Deutsche IPBES-Koordinierungsstelle
Außerdem wurden die Ergebnisse aus der Zwischenbewertung ("midterm Review“) des Arbeitsprogramms von IPBES sowie Überlegungen zur Zusammenarbeit zwischen IPBES und dem IPCC besprochen.
Über 65 Teilnehmende aus Wissenschaft und Forschung, Unternehmen und Wirtschaft, Regierung und nachgeordneten Behörden, Umweltorganisationen und Zivilgesellschaft, Projektträger und Förderinstitutionen sowie weitere Akteure aus Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz waren vertreten (siehe Abbildung 1).
Begrüßung durch Verena Klinger-Dering, Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit
Anschließend begrüßte Verena Klinger-Dering, Leiterin des Referates „Internationale Angelegenheiten der biologischen Vielfalt“ und der nationalen IPBES-Kontaktstelle im BMUKN, die Anwesenden. Sie erläuterte, dass der jüngste IPBES-Bericht zu Wirtschaft und Biodiversität zeige, dass der Biodiversitätsverlust längst kein isoliertes Umweltproblem mehr ist. Vielmehr sei er ein systemisches Risiko – für Lieferketten, für Investitionssicherheit, für stabile Märkte und für nachhaltige Entwicklung insgesamt. Das Assessment zu Wirtschaft und Biodiversität mache unmissverständlich deutlich, dass Biodiversität kein Randthema unternehmerischer Verantwortung sei. Sie sei zentral für Resilienz, Wettbewerbsfähigkeit und langfristige Wertschöpfung. Unternehmen seien deshalb sowohl von intakten Ökosystemen abhängig als auch Mitgestalter ihrer eigenen Zukunft. So wiesen Berichte darauf hin, dass sich Finanzströme mit negativen Auswirkungen auf die Natur im Jahr 2023 auf 7,3 Billionen US-Dollar beliefen, davon zwei Drittel aus dem Privatsektor und ein Drittel für umweltschädliche Subventionen (ca. 2,4 Billionen US-Dollar). Demgegenüber stünden lediglich 220 Milliarden US-Dollar an öffentlichen und privaten Finanzmitteln bereit, die für den Erhalt und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt eingesetzt werden.

Verena Klinger-Dering, Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit
DLR | Leon Jakobs
Verena Klinger-Dering betonte, dass der jüngste IPBES-Bericht zu einem entscheidenden Zeitpunkt komme. Durch den Globalen Biodiversitätsrahmen von Kunming-Montreal der CBD, kurz GBF, haben sich die Vertragsstaaten ambitionierte Ziele bis 2030 gesetzt. Doch Ziele allein verändern noch keine Realität. Assessments wie dieses liefern das „Wie“ der Umsetzung. Sie helfen, insbesondere Ziel 15 des Globalen Biodiversitätsrahmens mit Leben zu füllen: negative Auswirkungen von Unternehmen zu reduzieren, biodiversitätsbezogene Risiken offenzulegen und Geschäftsmodelle naturpositiv auszurichten. Ohne die aktive Einbindung des Privatsektors, nicht nur bei der Finanzierung, bleiben die 2030-Ziele unerreichte Ambitionen. Mit Blick auf die kommende CBD COP 17, die in nur wenigen Monaten in Armenien stattfinden wird, betonte Verena Klinger-Dering, dass die nächste Vertragsstaatenkonferenz ein zentraler Moment sein würde, um Fortschritte bei der Umsetzung zu bewerten, Lücken zu identifizieren und wissenschaftlich fundierte Entscheidungen für die nächste Phase ab 2030 zu treffen. Sie führte weiter aus, dass die erste globale Bestandsaufnahme der Umsetzung des GBF maßgeblich auf nationalen Berichten, aber auch den Arbeiten von IPBES aufbauen werde.
Sie bedankte sich ausdrücklich bei den anwesenden IPBES-Expertinnen und Experten, die aktiv in Assessments sowie in weiteren IPBES-Funktionen tätig seien für deren Engagement und hob abschließend hervor, dass wissenschaftliche Exzellenz und politische Anwendbarkeit kein Widerspruch seien – sie müssten Hand in Hand gehen.
Begrüßung durch Ralf Mytzek-Zühlke, Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt
Anschließend begrüßte Ralf Mytzek-Zühlke, Leiter des BMFTR-Referats „Neue Methoden in den Lebenswissenschaften; Biotechnologie; Wirkstoffforschung“ die Teilnehmenden.

Ralf Mytzek-Zühlke, Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt
DLR | Leon Jakobs
Er hob den Schutz der biologischen Vielfalt als eine zentrale Zukunftsaufgabe hervor. Er zitierte Bundesministerin Dorothee Bär, die kürzlich hervorgehoben hatte, dass der Schutz der Biodiversität nur gemeinsam mit einer starken Wirtschaft bewältigt werden könne. Intakte Ökosysteme seien wichtig für Wohlstand, stabile Lieferketten und langfristige Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland.
Ralf Mytzek-Zühlke betonte, dass mit der erfolgreichen Verabschiedung des jüngsten IPBES-Assessments zu „Wirtschaft und Biodiversität“ wissenschaftlich fundierte Handlungsoptionen vorlägen, deren Bedeutung er auch im Zusammenhang mit den zentralen Handlungsfeldern der Hightech-Agenda Deutschland sehe. Er stellte kurz wesentliche Aspekte der High-Tech Agenda Deutschland vor, die 2025 als eine gemeinsame Innovationsstrategie der Bundesregierung beschlossen wurde. Sie dient als Rahmen für die Forschungs- und Technologiepolitik Deutschlands und soll die technologische Wettbewerbsfähigkeit des Landes stärken. Bis 2029 seien, so Ralf Mytzek-Zühlke, rund 18 Milliarden Euro für die Umsetzung geplant. Dabei geht es auch um nachhaltige Lösungen, die sich ökologisch, ökonomisch und gesellschaftlich auszahlen. Umweltverantwortung mit wirtschaftlicher Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit verbinden, so Ralf Mytzek-Zühlke, seien fest in der Hightech-Agenda Deutschland verankert. Die folgenden drei Punkte wurden von ihm besonders hervorgehoben:
- Die Hightech-Agenda stellt einen Zusammenhang zwischen Wohlstand und biologischer Vielfalt her: Langfristiger Wohlstand ist nur durch den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen möglich.
- Eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft gilt als zentrale Säule für den Übergang zu einer biobasierten Wirtschaft. Dabei geht es um die nachhaltige und kreislauforientierte Nutzung biologischer Ressourcen, um Wertschöpfung bei gleichzeitigem Schutz der Umwelt zu erzeugen.
- Dies beinhalte auch einen Auftrag zum Erhalt der „biologischen Vielfalt“. Oder anders formuliert: die Bewahrung der Biodiversität ist wesentlich für zukunftsfähige sowie nachhaltige Wertschöpfung in allen Wirtschaftsbereichen.
Ralf Mytzek-Zühlke hob hervor, dass die Handlungsoptionen aus dem jüngsten IPBES-Assessment zu „Wirtschaft und Biodiversität“ einen soliden Weg zur Sicherung der natürlichen Ressourcen aufzeigen: Wertschöpfung und Wohlstand und deren Abhängigkeiten von der biologischen Vielfalt werden zusammengedacht. Vor dem Hintergrund der umfangreichen Wissenslücken, die die Autorinnen und Autoren bei der Erstellung des Assessments festgestellt haben, wies er auch auf die wichtige Rolle der Biodiversitätsforschung bei der Entwicklung nachhaltiger Lösungen hin, um soziale und ökologische Stabilität mit Wettbewerbsfähigkeit zu verbinden.
Abschließend dankte Ralf Mytzek-Zühlke IPBES-Expertinnen und -Experten, die sich aktiv an der Umsetzung des IPBES-Arbeitsprogramms bis 2030 beteiligen. Er wies darauf hin, dass IPBES mit seinem jüngsten Bericht in den letzten zehn Jahren bereits insgesamt 14 beeindruckende Assessments an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik vorgelegt habe. Seiner Ansicht nach ist es nun auch dringend erforderlich, dass die wissenschaftlich fundierten Ergebnisse noch stärker aufgegriffen würden.
Begrüßung durch Dr. Simone Schiele, IPBES-Sekretariat
Abschließend begrüßte Dr. Simone Schiele, Leiterin des IPBES-Arbeitsprogramms im IPBES-Sekretariat in Bonn, die Anwesenden. Im Zusammenhang mit dem diesjährigen Schwerpunkt des nationalen IPBES-Dialogforums wies sie darauf hin, dass dieser Schwerpunkt auch eine Entwicklung innerhalb von IPBES darstelle, die darauf abziele, die IPBES-Mitgliedsländer und Interessengruppen dabei zu unterstützen, die IPBES-Ergebnisse umfassender zu nutzen.

Dr. Simone Schiele, IPBES-Sekretariat
DLR | Leon Jakobs
Sie schloss sich den Vorrednerinnen und Vorrednern an, die bereits das Potential des jüngsten IPBES-Assessments für die Wirtschaft, aber auch für die Politik und andere Akteure hervorgehoben hatten und wies darauf hin, dass dessen erfolgreiche Verabschiedung das wichtigste Ergebnis der 12. Sitzung der IPBES-Vollversammlung in Manchester gewesen sei.
Sie stellte kurz die laufenden Arbeiten des IPBES vor und wies darauf hin, dass die folgenden beiden Assessments bis zur dreizehnten Sitzung der IPBES-Vollversammlung im Jahr 2027 fertiggestellt und vorgestellt werden sollen:
- Das methodologische Assessment über Monitoring von Biodiversität und der Beiträge der Natur für die Menschen, und
- Das methodologische Assessment zur biodiversitätsintegrierten räumlichen Planung und zur ökologischen Konnektivität.
Das Zweite Globale IPBES-Assessment soll dann auf der vierzehnten Sitzung der IPBES-Vollversammlung voraussichtlich im Jahr 2028 vorgestellt werden.
Simone Schiele wies darauf hin, dass es in den kommenden Monaten Gelegenheiten geben werde, die Entwürfe all dieser Assessments zu begutachten und zu deren wissenschaftlichen Qualität und politischen Relevanz beizutragen:
- Anfang Juni 2026 wird ein Entwurf der Kapitel und der Zusammenfassung für die politische Entscheidungsfindung des Assessments zur biodiversitätsintegrierten räumlichen Planung und zur ökologischen Konnektivität zur externen Begutachtung zur Verfügung gestellt;
- Mitte Juni 2026 dann der erste Entwurf der Kapitel des Zweiten Globalen Assessments.
- Im September 2026 haben Mitgliedsstaaten die Möglichkeit, einen überarbeiteten Entwurf der Kapitel und der Zusammenfassung für die politische Entscheidungsfindung des Monitoring-Assessments zu kommentieren.
Darüber hinaus berichtete Simone Schiele, dass die IPBES-Mitgliedsländer stets großen Wert darauf gelegt hätten, dass IPBES nicht nur Assessments erstellt, sondern auch andere Funktionen im Rahmen seines laufenden Arbeitsprogramms erfülle.
Diese umfassten unter anderem Kapazitätsaufbau, um das Engagement von Mitgliedsländern, Expertinnen und Experten in IPBES Prozessen zu stärken, zum Beispiel durch das Fellowship Programm, das ‚early career indivituals‘ die Möglichkeit gebe, unter der Anleitung von Mentoren an einem Assessment mitzuwirken. Als Teil dieses Aspekts der IPBES-Arbeit würden während der Begutachtungszeiträume auch Dialogworkshops organisiert, die Staatenvertretern und Experten die Möglichkeit geben, sich direkt mit den Autorinnen und Autoren von Assessments auszutauschen. Darüber hinaus arbeite IPBES an Daten- und Wissensdatenbanken. Als Beispiel für diese Arbeit wurde auf der 12. Sitzung der IPBES-Vollversammlung ein Verhaltenskodex für den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) in Assessmentprozessen vorgestellt (dieser wurde in der Session 5 des Dialogforums näher erläutert).
Sie wies auch darauf hin, dass IPBES bestrebt ist, die Nutzung von IPBES-Assessments in der politischen Entscheidungsfindung zu fördern. Dafür seien in den kommenden Monaten Online-Workshops geplant, in denen Mitgliedsländer und Stakeholder mit Expertinnen und Experten des Assessments zu „Wirtschaft und Biodiversität“ verschiedene Nutzungsmöglichkeiten diskutieren könnten.
Sie hob hervor, dass ein Schwerpunkt der Arbeit im Vorfeld der dreizehnten IPBES-Vollversammlung die Ausarbeitung eines Vorschlags für die künftige Arbeit des IPBES sein werde. Die zukünftige Arbeit solle daher nicht nur von der Entwicklung neuer Assessments zu verschiedenen Themen geprägt sein, sondern auch Raum und neue Formate für eine bessere Nutzung der Ergebnisse bisheriger Assessments bieten. Was die Themen künftiger Arbeit anginge, wurden vier von der Vertragsstaatenkonferenz der Konvention für Biologische Vielfalt (CBD) vorgeschlagene Themen als Priorität angesehen: Biodiversität und Städte, Biodiversität und Armut, Biodiversität und Verschmutzung sowie Biodiversität und Klimawandel. Diese Arbeit wird vom IPBES-Bureau und dem Multidisziplinären Expertengremium (MEP) geleitet, die Vorschläge für das Arbeitsprogramm erarbeiten werden. Dieses soll auch Berichtsformate stärken, die bislang nicht von IPBES genutzt wurden wie Syntheseberichte oder technische Zusammenfassungen. Simone Schiele kündigte an, dass der Entwurf des Arbeitsprogramms Anfang 2027 mit den IPBES-Mitgliedsländern und Interessengruppen diskutiert werden solle.
Sie dankte dem BMUKN und BMFTR sowie der Deutschen IPBES-Koordinierungsstelle für die Organisation des diesjährigen Dialogforums und betonte, dass das Engagement der IPBES-Mitglieder und Stakeholder für den Erfolg von IPBES von entscheidender Bedeutung sei.