Postersession: Initiativen zur Verbreitung und Nutzung von Ergebnissen der IPBES-Assessments Nexus und Transformativer Wandel (2024)

Die Postersession des 12. Nationalen IPBES-Forums bot den Rahmen, um IPBES-relevante Aktivitäten und Vorhaben vorzustellen und sich mit beteiligten Expertinnen und Experten auszutauschen. 

Die Postersession fand unter der Leitung von Pia Pätz, Praktikantin in der Deutschen IPBES-Koordinierungsstelle, statt. 

DLR | Leon Jakobs

Auf der 11. Sitzung der IPBES-Vollversammlung (10. bis 16. Dezember 2024 in Windhuk, Namibia) wurden zwei neue komplementäre IPBES-Berichte verabschiedet. Im Nexus-Bericht werden die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen den Elementen Biodiversität, Wasser, Nahrung, Gesundheit und Klimawandel dargelegt, um eine ganzheitliche Politik und Maßnahmen zu entwickeln, die darauf abzielen, Synergien zu maximieren und Zielkonflikte zu minimieren. Der Bericht zum Transformativen Wandel zeigt, wie transformativer Wandel aussieht und welche Strategien und Maßnahmen dabei helfen, die Vision 2050 für Biodiversität zu erreichen.

Was ist mit den Ergebnissen dieser IPBES-Assessments Nexus und Transformative Change passiert? Wie wurden und werden sie aufbereitet und kommuniziert? Welche Implikationen haben die Berichte für Forschung und Forschungsförderung? Gibt es Synergien – national, europäisch sowie international?

Diese Fragen wurden im Rahmen der Postersession des 12. Nationalen IPBES-Forums mit Expertinnen und Experten erörtert. 

Biodiversity Austria – International: IPBES-Erkenntnisse für Österreich nutzbar machen

Autor:

Simon Fellinger, Biodiversity Austria – International, E-Mail: simon.joel.fellinger@univie.ac.at

Abstract:

Simon Fellinger, Margarita Hartlieb | Biodiversity Austria

Das Projekt "Biodiversity Austria – International" verfolgt das Ziel, Expert:innen in IPBES-Prozesse einzubinden und Erkenntnisse aus IPBES-Assessments in handlungsrelevanter Form für Österreich aufzubereiten. Im Fokus steht dabei die Entwicklung sogenannter AT-SPM –Zusammenfassungen der Assessments mit österreichspezifischem Schwerpunkt. Dabei werden die zentralen Erkenntnisse der globalen Berichte auf die österreichische Ebene mit Blick auf konstruktive Handlungsmöglichkeiten heruntergebrochen, um somit zur nationalen Biodiversitätspolitik beitragen zu können.

Ein zentrales Element bei der Erstellung der AT-SPM ist die interdisziplinäre und partizipative Arbeitsweise. Diese erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Fach-Expert:innen aus Österreich. Ergänzend durchläuft jede nationale Zusammenfassung einen Review-Prozess, der neben einem erweiterten wissenschaftlichen Expert:innenkreis auch die Verwaltungsebene einbindet. Dadurch wird sichergestellt, dass die aufbereiteten Inhalte sowohl wissenschaftlich fundiert als auch politisch anschlussfähig sind.

Bereits umgesetzt wurden AT-SPM für die im Jahr 2024 verabschiedeten IPBES-Assessments zu Nexus sowie zu Transformativem Wandel. Für 2026 ist eine entsprechende nationale Aufbereitung des Business and Biodiversity Assessments geplant.

Nationale Aktivitäten von IPBES-CH zu Nexus und Transformativem Wandel

Autorin:

Dr. Eva Maria Spehn; Forum Biodiversität Schweiz, Akademie der Naturwissenschaften Schweiz; E-Mail: eva.spehn@scnat.ch

Abstract:

Eva Spehn | SCNAT

Mit den IPBES-Assessments zu Nexus und Transformativem Wandel liegen zwei komplementäre Berichte vor, die zentrale Hebel zur Bewältigung der Biodiversitätskrise aufzeigen. Wie kann man nun die Ergebnisse in Politik und Gesellschaft bekannt machen und zur Umsetzung anregen? Wir beleuchten die Rolle von IPBES-CH in der Schweiz bei Outreach, Uptake und Umsetzung der Ergebnisse. Das Poster gibt einen Überblick über nationale Outreach- und Dialogformate, mit denen die komplexen Inhalte der Berichte für unterschiedliche Zielgruppen – darunter Politik und Verwaltung, Wissenschaft, Forschungsförderung sowie Praxisakteur:innen – zugänglich gemacht wurden. Diskutiert wird, welche Kommunikationsformate sich bislang als besonders sinnvoll erwiesen haben und wie diese je nach Zielgruppe variieren. Dabei wird der synergetische Mehrwert beider Assessments hervorgehoben und diskutiert, wie sie durch IPBES-CH komplementär in nationale Diskurse eingebracht werden können. Darüber hinaus reflektiert das Poster erste Erfahrungen zur Umsetzung und Nutzung der IPBES-Ergebnisse: Welche Formen des Uptake haben sich als effizient und effektiv erwiesen, wo bestehen Hemmnisse? Wie können relevante Akteur:innen frühzeitig eingebunden werden, um den Übergang von Wissen zu Handeln zu erleichtern?

RESPIN: Reinforcing Science-Policy Interfaces for integrated biodiversity and climate knowledge and policies (RESPIN)

Autor:innen:

Sophia Schmid; Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ); E-Mail: sophia.schmid@ufz.de

Dr. Axel Paulsch; Institut für Biodiversität – Netzwerk e.V. (ibn); E-Mail: paulsch@biodiv.de

Abstract:

Sophia Schmid, Axel Paulsch | respin

Das EU-geförderte Projekt RESPIN hat die Mission der Stärkung der Synergien, Politikunterstützung und Wissensaufnahme von IPBES und IPCC, versucht also, Wissensbereitstellung und Wissensaufnahme bei beiden Wissenschafts-Politik-Schnittstellen zu unterstützen. Dies geschieht durch Analyse der Wissensflüsse von Trägern zu Nutzern auf verschiedenen Ebenen (EU, national und sub-national), durch Zusammenbringen von Wissenschaftler*innen und politischen Entscheider*innen in verschiedenen Tagungsformaten und durch direkte Unterstützung bei Verhandlungen von IPBES und IPCC. Im Dezember 2025 fand am Naturkundemuseum ein nationaler RESPIN-Workshop, der sich mit der Frage beschäftigte, wie die Ergebnisse der IPCC und IPBES-Assessments derzeit in politische Entscheidungsprozesse einfließen und wie sie künftig noch gezielter zur Entscheidungsfindung genutzt werden können. Im Mittelpunkt stand die Verknüpfung der Response Options des Nexus-Assessments mit den Lösungsansätzen des Transformative-Change-Assessments und deren Bezug zu konkreten umweltpolitischen Zielsetzungen Deutschlands, etwa der Nationalen Biodiversitätsstrategie oder der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel. Ähnlich Tagungen finden derzeit in den Mitgliedsstaaten des RESPIN-Konsortiums statt. Das vorgeschlagene Poster beleuchtet, wie in Deutschland biodiversitäts- und klimawandelrelevantes Wissen von Wissensproduzent*innen zu politischen Entscheidungsträger*innen gelangt. Grundlage bildet eine Social Network Analysis (SNA) die in sechs Ländern, die Informationsflüsse, zentrale Akteursgruppen und Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Politik analysiert. Ergänzt wird dies durch zentrale Erkenntnisse aus dem nationalen RESPIN-Workshop in Deutschland, der sich mit der gegenwärtigen und potenziell stärkeren Nutzung von IPCC und IPBES-Assessments zur politischen Entscheidungsunterstützung befasste.

Stärkung von IPBES durch Kompetenzaufbau von Behörden, Wissenschaftler*innen und Zivilgesellschaften der Region Südosteuropa, Kaukasus und Zentralasien – Fortführung

Autor:

Dr. Axel Paulsch, Institut für Biodiversität – Netzwerk e.V. (ibn), E-Mail: paulsch@biodiv.de

Abstract:

Axel Paulsch | ibn

Das Projekt setzt den schon 2017 begonnenen Kompetenzaufbau verschiedener IPBES-Beteiligter in der Region Südosteuropa, Kaukasus und Zentralasien fort und verfolgt das Ziel, Behörden, wissenschaftliche Einrichtung und zivilgesellschaftliche Organisationen besser in die Lage zu versetzen, sich an IPBES-Prozessen zu beteiligen und IPBES-Ergebnisse in politischen Entscheidungen zu nutzen. Während die Fortbildungsveranstaltungen der ersten beiden Förderphasen (2017-2024) sich vor allem auf Verständnis von und Beteiligung an IPBES-Abläufen konzentriert haben, liegt ein Schwerpunkt der jetzigen Fortbildung auf den Möglichkeiten, in regionalem, nationalem und lokalem Kontext Nutzen aus den IPBES-Ergebnissen für die Eindämmung der Treiber des Biodiversitätsverlust in konkreten Gegebenheiten in der Region zu ziehen. Die Fortbildungsveranstaltungen beziehen weiterhin die neuesten Entwicklungen von IPBES ein, bereiten Teilnehmende auf IPBES-Plenarsitzungen vor und setzen IPBES-Ergebnisse in Beziehung zu relevanten Vorgaben aus anderen multilateralen Umweltabkommen, zum Beispiel der Konvention über die biologische Vielfalt (CBD).

Ein erster Workshop für Zentralasien ist für Anfang März 2026 in Kasachstan geplant.