Expertenprofil Prof. Dr. Ralf Seppelt

Persönliches Zitat:
Zu zeigen, dass es beim Stichwort Biodiversität nicht nur um den Schutz einzigartiger Natur sondern tatsächlich um unsere Lebensgrundlagen geht, sehe ich als die Hauptaufgabe von IPBES und wünsche mir, dass neben Optionen für veränderte politische Entscheidungen vielleicht auch Anstöße zu gesellschaftlichen Veränderungen in unserem Umgang mit limitierten Ressourcen gegeben werden.

Angaben zur Person:

Prof. Dr. Ralf Seppelt, Mathematiker und Ökologie

Institutionelle Anbindung:
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ
Martin Luther-Universität Halle Wittenberg

Weitere Hintergrundinformationen zu Person und Institution:
http://www.ufz.de/index.php?de=37585

Autor in welcher Expertengruppe / Task Force (vergangen und gegenwärtig); ggf. weitere Funktionen im IPBES-Prozess

  • Lead Author in Kapitel 5 des Assessments für IPBES-Arbeitsprogramm Element 2(c); Globales Assessment; laufender Prozess

Fragen:

Was ist Ihre Motivation, sich aktiv am IPBES-Prozess zu beteiligen?
Wissenschaft kann nicht im Elfenbeinturm stattfinden. Wie die Betreuung und Ausbildung von Studenten, so ist die Kommunikation von Erkenntnissen und Ergebnisse in die Gesellschaft eine Daueraufgabe von Wissenschaft und Forschung. Das beschäftigt mich immer wieder in einzelnen Forschungsprojekten. Ich versuche es aber auch immer wieder in der Arbeit mit Studenten zu thematisieren. Der Hintergrund motiviert, mich diese Erfahrungen in IPBES einzubringen und aktuelle Erkenntnisse aufzubereiten, so dass sie nicht nur Optionen für veränderte politische Entscheidungen aufzeigen, sondern vielleicht gar den Anstoß zu gesellschaftlichen Veränderungen bieten, nachhaltig mit limitierten Ressourcen umzugehen.

Was ist für Sie das Besondere am Weltbiodiversitätsrat IPBES?
Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen (Ecosystem Services) sind sperrige und komplizierte Konzepte, die es in der Kommunikation mit der Öffentlichkeit und Politik schwer haben. Im Unterschied zum Weltklimarat, der unbestritten eine ähnlich komplizierte Aufgaben in seinen Syntheseberichten gemeistert hat, geht es bei IPBES nicht nur um eine Variable – den Verlauf der globalen Temperaturkurve und dessen Auswirkungen –  sondern um ein kompliziertes Netzwerk an Wechselwirkungen zwischen Artenvielfalt und natürlichen Ressourcen.

An welchem Schwerpunktthema arbeiten Sie mit, und was wäre ein wertvolles Resultat aus Ihrer Sicht?
Mit den Ergebnissen aus Kapitel 5 des Globalen Assessments erhoffe ich mir eine pointierte und verständliche Synthese welche geeignete Maßnahmen existieren, um Biodiversität und damit unsere langfristig Lebensgrundlagen zu erhalten.

Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit "Wissenschafts-Politik-Schnittstellen" gemacht? Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie bei einer Mitarbeit an solchen Schnittstellen?
Ich habe mehr als 7 Jahre ein Forschungsvorhaben zum nachhaltigen Landmanagements für das BMBF (Bundesforschungsministerium) unter Beteiligung von mehr als 500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern koordiniert und stand mit der Leitung eines zentralen Syntheseprojektes (namens GLUES) vor der Herausforderung, die Ergebnisse sehr diverser Forschungsprojekte zusammenzuführen, aber auch mittels konsistenter Szenarien eine Grundlage für gemeinsame Analysen zu liefern. Letztlich war es aber die Aufgabe der Kommunikation der Ergebnisse in die Öffentlichkeit, für die wir konkrete Lösungen finden mussten. Diese reichten von praxisorientierten Büchern bis hin zu einem online Spiel. Für mich war es erstaunlich welch breiten Adressatenkreisen wir damit ansprechen konnten. Wissenschaft hat sich in den letzten Jahren, genauso wie andere Teile der Gesellschaft , in einem Globalisierungsprozess verändert , insbesondere wenn es darum geht, Erkenntnisse für gesellschaftliche und politische Entscheidungsprozesse verfügbar zu machen. Die Gesellschaft fordert, meiner Meinung nach zu Recht ein, Ergebnisse so aufzubereiten, dass diese in Entscheidungsprozesse einfließen können – nur wird dies im Wissenschaftssystem (noch) nicht honoriert. Allerdings erfordert dies ein großes Maß an Offenheit und Kommunikationsfähigkeit, Aspekte, die vielleicht viel zu wenig Bestandteil entsprechender Studiengänge sind.

Was ist Ihr persönlicher Wunsch für die Zukunft von IPBES?
Glücklicherweise beteiligen sich eine Vielzahl von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit enormer intrinsischer Motivation an Syntheseberichten von IPBES. Das ist gut so, allerdings sollte man diese Dienstleistung an der Gesellschaft auch honorieren. Richtig, alle Beteiligten sind sicherlich schon als Wissenschaftler/innen durch die Gesellschaft alimentiert – allerdings auch mit einem gerüttelt Maß an grundlegenden Aufgaben. IPBES kommt on top. Das ist zu honorieren – die entsprechenden Mechanismen dafür fehlen aber, denn das Wissenschaftssystem bewertet (zur Zeit) solche Aktivitäten nicht im gleichen Umfang wie entsprechende Publikationen.

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