Expertenprofil Dr. Jennifer Hauck

Persönliches Zitat:
„Ich denke es wäre gut, wenn wir uns als Gesellschaft insgesamt mehr Gedanken dazu machen würden, wie wir mit unserer Umwelt umgehen. Die Debatten dazu sind oft einseitig und ich vermisse häufig gegenseitige Wertschätzung für die unterschiedlichen Bedürfnisse und Sichtweisen. Ich hoffe, dass wir mit IPBES einen Beitrag leisten können, Debatten in der Gesellschaft auszulösen, verschiedenste Bedürfnisse zu beleuchten und Lösungswege daraufhin abzuklopfen. Eine besondere, aber auch sehr sinnvolle, Herausforderung ist für mich dabei die Forderung an uns Wissenschaftler nicht „policy-prescriptive“ zu sein.“

Angaben zur Person:

Dr. Jennifer Hauck, Geographin mit den Nebenfächern Soziologie und Politikwissenschaften

Institutionelle Anbindung:
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, Department Umweltpolitik
CoKnow Consulting – Coproducing Knowledge for Sustainability

Weitere Hintergrundinformationen zu Person und Institution:
http://www.ufz.de/index.php?de=36484
www.coknow.de

Autorin in welcher Expertengruppe / Task Force (vergangen und gegenwärtig); ggf. weitere Funktionen im IPBES-Prozess

    • Coordinating Lead Author für das Kapitel 5 des IPBES-Arbeitsprogramms 2 (b) Regionale/subregionale Assessments zu Biodiversität und Ökosystemleistungen für die Region Europa und Zentralasien; laufender Prozess
    • Mitglied der Expertengruppe für die zweite Phase der IPBES Arbeit an Szenarien und Modellierung (Entscheidung IPBES-4/2); laufender Prozess
    • Review Editor für das IPBES-Arbeitsprogramm Element 3 (c) Politikunterstützungsinstrumente sowie Methoden der Szenarienanalyse und Modellierung von Biodiversität und Ökosystemleistungen auf Grundlage eines Assessments und eines Leitfadens; abgeschlossener Prozess

    Fragen:

    Was ist Ihre Motivation, sich aktiv am IPBES-Prozess zu beteiligen?
    Zum einen finde ich die Idee äußerst reizvoll, meine sozialwissenschaftliche Expertise für Entscheidungen zum Schutz der Biodiversität und Ökosystemleistungen zur Verfügung zu stellen, zum anderen bietet der Prozess tolle Möglichkeiten sich international zu vernetzten. Außerdem kann ich sehr viel von Assessment-erfahrenen Experten lernen.

    Was ist für Sie das Besondere am Weltbiodiversitätsrat IPBES?
    Was mich sehr beeindruckt hat, ist der Versuch eines ganzheitlichen Ansatzes, vor allem hinsichtlich der Inklusion verschiedener Wissens- und Wertesystem. Hier stehen wir sicherlich noch ganz am Anfang, und vieles kann verbessert werden, aber beispielsweise der konzeptionelle Rahmen für IPBES ist ein guter, erster Schritt in die richtige Richtung!

    Sie sind bereits schon länger im Erstellungsprozess für das 3 (c) „Policy support tools and methodologies for scenario analysis and modelling of biodiversity and ecosystem services“ beteiligt. Welche Erfahrungen haben Sie dort bisher machen können und was hat Sie besonders beeindruckt?
    Besonders beeindruckend, und auch motivierend, war die hervorragende Zusammenarbeit zwischen den Kollegen zu erfahren und mit so vielen brillanten Köpfen zu arbeiten. Aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive ist es außerdem sehr spannend die Interaktionen zwischen Wissenschaft und Politik zu beobachten.

    An welchem Schwerpunktthema arbeiten Sie mit, und was wäre ein wertvolles Resultat aus Ihrer Sicht?
    In IPBES-Arbeitsprogramm Element 3 (c)  arbeite ich am Kapitel 5  „Integrated and cross-scale analysis of interactions of the natural world and human society“. Ein wertvolles Ergebnis wäre für mich, den Mehrwert einer solchen integrierten Sichtweise zu zeigen, aus der sich dann robustere Handlungsoptionen ableiten lassen. 

    Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit "Wissenschafts-Politik-Schnittstellen" gemacht?
    Ich habe auf verschiedenen Ebenen an der Schnittstelle gearbeitet, beispielsweise bei der Entwicklung der EU Biodiversitätsstrategie bis 2020, bei Vorüberlegungen für ein nationales Assessment für Deutschland, aber auch in regionalen und lokalen Kontexten. Persönlich ist es natürlich ein gutes Gefühl „einen sinnvollen Beitrag“ mit meiner Forschung leisten zu können. Ich sehe aber auch die Herausforderung, dass meine Rolle meist nicht klar definiert ist: zeigen wir als Wissenschaftler Optionen auf oder geben wir Empfehlungen; schlagen wir Themen vor, die wir als problematisch empfinden oder arbeiten wir an Problemen die von der Gesellschaft der Politik als Herausforderung wahrgenommen werden; wo ziehe ich die Linie zwischen der Dringlichkeit mit der Antworten erwartet werden und der Glaubwürdigkeit meiner Forschung und damit verbundenen Publikationen, usw. Für mich ist es schwierig eine Antwort auf diese Fragen zu haben und eine kontinuierliche Reflektion meiner Rolle finde ich essentiell.

    Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie bei einer Mitarbeit an solchen Schnittstellen?
    Chancen sind sicherlich Möglichkeiten sich mit großartigen Wissenschaftlern zu vernetzten und viele verschiedenen Dinge zu lernen. Der Wert, den die Mitarbeit für eine Karriere im deutschen, immer noch disziplinär orientierten Wissenschafts-System hat, ist mir noch unklar.

    Was ist Ihr persönlicher Wunsch für die Zukunft von IPBES?
    Ich würde mir deutlich mehr Einbindung von Wissen aus nicht-wissenschaftlichen Wissenssystemen wünschen. Ich würde mir außerdem eine deutlich höhere Beteiligung von Sozialwissenschaftlern auch aus Disziplinen wie Ethnologie, Soziologie, Politikwissenschaften oder Humangeographie wünschen.

    nach oben